Interviews mit Absolventen, Teil 22: Sonja Zillinger

Sonja Zillinger

Lie­be Son­ja, nach dei­ner Coa­ching-Aus­bil­dung bei chan­ge con­cepts hast du dich als Coach selb­stän­dig gemacht. Wann war das genau und was bie­test du genau an? Wer ist dei­ne Ziel­grup­pe? Was macht dich als Coach aus?

Ich habe mich im Mai 2018 selb­stän­dig gemacht, nach­dem ich 2013 die Coa­ching-Aus­bil­dung abge­schlos­sen hat­te. Mein Spe­zi­al­ge­biet als Bera­te­rin und Coach ist die Stand­ort­be­stim­mung. Durch mei­nen Hin­ter­grund als Orga­ni­sa­ti­ons­psy­cho­lo­gin kom­bi­nie­re ich Dia­gnos­tik, Posi­ti­ve Psy­cho­lo­gie und sys­te­mi­sches Coa­ching, um mit mei­nen Kun­den Poten­zia­le auf­zu­de­cken und beruf­li­che Ver­än­de­run­gen zu initi­ie­ren. Mei­ne Kern­ziel­grup­pe sind Fach- und Füh­rungs­kräf­te mit ca. 10–20 Jah­ren Berufs­er­fah­rung. Mich fas­zi­niert dabei vor allem, wie ich mit­hil­fe von dia­gnos­ti­schen Tools, Feed­back, Input und z. B. lösungs­fo­kus­sier­ten Fra­gen bei Kli­en­ten zu rich­ti­gen Aha-Momen­ten gelan­gen kann. Daher arbei­te ich neben dem Coa­ching auch ger­ne im Trai­nings­be­reich, mich begeis­tert per­sön­li­ches Wachs­tum.

Wie lief das so mit der Exis­tenz­grün­dung? Was hat dir gehol­fen und wel­chen Her­aus­for­de­run­gen hast du gegen­über gestan­den?

Mich hat die Idee der Selb­stän­dig­keit schon län­ger gereizt. Gewagt habe ich den Schritt erst, als ich 2018 nach vier Jah­ren in Aus­tra­li­en mit mei­ner Fami­lie zurück nach Deutsch­land gezo­gen bin. Inzwi­schen wur­de ich Mut­ter von einem klei­nen Sohn, und es war schwie­rig, eine reiz­vol­le Fest­an­stel­lung in Teil­zeit zu bekom­men, wenn ich mich „kalt“ aus dem Aus­land bewarb. Da dach­te ich: „jetzt oder nie!“

Mir hat die­ser natür­li­che Bruch durch den Umzug etc. sehr gehol­fen und auch die Tat­sa­che, dass ich nach der Zeit in Aus­tra­li­en sehr gut eng­lisch spre­che. Ein Teil mei­ner Auf­trä­ge ist heu­te auf eng­lisch. Aber ich den­ke, noch viel wich­ti­ger war, dass ich mir in Vor­be­rei­tung auf die Selb­stän­dig­keit viel Zeit genom­men habe, mich über mei­ne eige­nen Zie­le, Per­sön­lich­keits­fak­to­ren, Moti­va­to­ren und Wer­te bewusst zu wer­den. Dabei hat mein fach­li­cher Hin­ter­grund als Per­so­nal-Dia­gnos­ti­ke­rin sicher­lich gehol­fen. Dar­auf basie­rend wäh­le ich immer wie­der gezielt The­men aus, die mich begeis­tern und die mei­ne Stär­ken wider­spie­geln. Es macht unfass­bar viel aus, wenn man an Din­gen arbei­ten darf, die einen begeis­tern! Ich genie­ße den Gestal­tungs­spiel­raum, den die Selb­stän­dig­keit mit sich bringt. Das ist auch toll, wenn man als Eltern sei­ne Zeit frei­er ein­tei­len möch­te.

Sich zudem sei­ner eige­nen Wer­te bewusst zu wer­den, ist hilf­reich, um auch mal „nein“ zu sagen und Auf­trä­ge eben nicht anzu­neh­men, wenn sie nicht zum eige­nen Ziel pas­sen. Das ist mir am Anfang unge­mein schwer­ge­fal­len. Her­aus­for­dernd fin­de ich außer­dem Pha­sen, in denen man viel allei­ne arbei­tet. Ich weiß, dass ich ohne per­sön­li­chen Kon­takt zu ande­ren Men­schen schnell demo­ti­viert bin, daher arbei­te ich öfters in Pro­jek­ten (z. B. Trai­nings oder Deve­lop­ment-Cen­tern) mit ande­ren fach­li­chen Kol­le­gen. Als wei­te­re gro­ße Her­aus­for­de­rung sehe ich bei mir das The­ma Mar­ke­ting & Ver­trieb. Defi­ni­tiv kei­ne mei­ner Stär­ken, und wäh­rend ande­re hier rich­tig auf­ge­hen, habe ich in Sachen Außen­dar­stel­lung noch eini­ges zu tun. Kun­den tau­chen lei­der nicht ein­fach so aus dem Nichts auf …

Kannst du heu­te von dei­ner Arbeit im Coa­ching leben? Zu wie viel Pro­zent etwa?

Län­ge­re Coa­ching-Pro­zes­se machen in mei­ner Arbeit bis­lang einen klei­nen Teil aus. Aller­dings nut­ze ich vie­le der Coa­ching-Skills in ein­stün­di­gen Poten­zi­al­fe­ed­backs und auch in Grup­pen-Work­shops. Mein Ziel ist auch tat­säch­lich gar nicht, aus­schließ­lich oder über­wie­gend als Coach zu arbei­ten. Ich lie­be die Abwechs­lung und tau­che ger­ne immer wie­der in ande­re Set­tings ein. In Sachen finan­zi­el­le Sicher­heit hat mir sehr gehol­fen, dass ich bis­lang einen gro­ßen Teil mei­ner Auf­trä­ge als Free­lan­cer über ande­re Fir­men gene­rie­re.

Planst du, mit­tel- oder lang­fris­tig ganz selb­stän­dig zu sein?

Ich pla­ne, lang­fris­tig den Anteil eige­ner Auf­trä­ge zu erhö­hen und etwas weni­ger zu free­lan­cen. Ganz auf­ge­ben will ich es aber nicht, da ich den Kon­takt zu den Kol­le­gen sehr schät­ze.

Alles zusam­men genom­men – wür­dest du den Schritt der Exis­tenz­grün­dung wie­der tun?

Ganz klar JA! Neben den vie­len Vor­tei­len, die ich genie­ße und die mei­ne Per­sön­lich­keit wun­der­bar wider­spie­geln, ist der Schritt in die Selb­stän­dig­keit auch eine der bes­ten Mög­lich­kei­ten, sich per­sön­lich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln! Damit sage ich aber nicht, dass Selb­stän­dig­keit für jeden etwas ist. Auch in der Fest­an­stel­lung kann man vie­le span­nen­de Ver­än­de­run­gen gestal­ten. Hier­zu inter­viewe ich Men­schen in mei­nem Pod­cast und fin­de es immer wie­der span­nend, wie man sein Berufs­le­ben selbst gestal­ten kann, um zufrie­de­ner zu sein.

Zum Abschluss: Wel­chen Tipp kannst du ande­ren Men­schen geben, die über eine Selb­stän­dig­keit als Coach nach­den­ken?

Ach, da wür­de mir so vie­les ein­fal­len:

  • Tau­sche dich mit erfah­re­ne­ren Coa­ching-Kol­le­gen aus, wann immer es geht.
  • Aber nimm dir Zeit, dein eige­nes Ste­cken­pferd zu fin­den und ver­glei­che dich nicht stän­dig „nach oben“ – kei­ner der rich­tig erfolg­rei­chen Coa­ches ist dies über Nacht gewor­den (etwas, das mir immer wie­der schwer­fällt).
  • Vie­le Wege füh­ren nach Rom: viel­leicht star­test du erst­mal in Teil­zeit oder neben­bei auch als Free­lan­cer oder als unter­neh­mens­in­ter­ner Coach oder im Rah­men eines ehren­amt­li­chen Coa­ching-Pro­jekts? Es gibt so vie­le Mög­lich­kei­ten, anzu­fan­gen.
  • Ken­ne dei­ne eige­nen Moti­va­to­ren, Stär­ken, Antrei­ber und Wer­te (und dabei kann ich ger­ne unter­stüt­zen ;) )

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