Coaching im Privat-Bereich: Kann man von Coaching leben und wenn ja, wie? (Teil 7)

Die bei­den letz­ten Bei­trä­ge wid­me­ten sich der The­ma­tik „Trends im Busi­ness-Coa­ching.“ Heu­te soll es nun um die sich abzeich­nen­den Ent­wick­lun­gen im Pri­vat-Seg­ment gehen.

Stark wach­sen dürf­ten hier auf Jah­re hin­aus die „Bin­de­strich-Coa­chings“ aller Art. Ich gehe sogar so weit zusa­gen: Hier liegt mei­ner per­sön­li­chen Auf­fas­sung nach ein­deu­tig das grö­ße­re Wachs­tums­po­ten­zi­al für die nächs­ten Jah­re und Jahrzehnte.

In die­sem Seg­ment wird man in den meis­ten Fäl­len nicht reich wer­den, aber wer sich klar und spitz posi­tio­niert, gute Arbeit macht und Exper­te für sein The­ma ist, hat gute Chan­cen, sich min­des­tens regio­nal einen Namen zu machen und sich ein aus­rei­chen­des Ein­kom­men sichern zu kön­nen. Vor­aus­set­zung ist dabei wie über­all, dass man nicht zu Dum­ping-Prei­sen arbei­tet. Aber die­se Ange­bo­te gehen auch heu­te schon immer mehr zurück, denn die Bereit­schaft der Men­schen, für ihr Wohl­be­fin­den auch Geld aus­zu­ge­ben, ist in den letz­ten Jah­ren deut­lich gestie­gen. Ver­mut­lich hat sich auch her­um gespro­chen, dass Qua­li­tät auch im Coa­ching ihren Preis hat. Auf der ande­ren Sei­te hat man im Pri­vat­coa­ching-Bereich meist auch gerin­ge­re Aus­ga­ben als im Busi­ness-Bereich weil z. B. ein reprä­sen­ta­ti­ves, teu­res Auto, hohe Rei­se­kos­ten, reprä­sen­ta­ti­ve Räu­me in bes­ter Geschäfts­la­ge, ein stän­dig besetz­tes Sekre­ta­ri­at sowie kom­pli­zier­te Abstim­mungs­pro­zes­se im Vor­feld und umfang­rei­che Doku­men­ta­ti­on im Nach­gang nicht not­wen­dig sind. Damit soll nicht „Coa­ching am Küchen­tisch“ als Zukunfts­mo­dell pos­tu­liert wer­den. Jedoch wird eine ein­fa­che, aber zweck­mä­ßi­ge Pra­xis mit 1 oder 2 Räu­men und WC/kleiner Tee­kü­che in ange­neh­mer Atmo­sphä­re sicher­lich in den meis­ten Fäl­len im Pri­vat-Seg­ment völ­lig ausreichen.

Auch im Bereich des Pri­vat-Coa­chings wird – schon allein wegen der zu erwar­ten­den und z.T. schon vor­han­de­nen Viel­zahl der Anbie­ter – die Spe­zia­li­sie­rung auf ein The­ma oder eine Ziel­grup­pe der Schlüs­sel zum Erfolg sein. Hier besteht die Mög­lich­keit, sich an gesell­schaft­li­chen Trends zu orientieren:

  • Trend „Sil­ver Ager“: Hier geht es um Men­schen in den spä­ten 50ern, den 60ern oder gar 70ern, kör­per­lich und geis­tig top­fit, die sich nicht zur Ruhe set­zen, son­dern etwas bewir­ken oder erle­ben wol­len, viel­leicht sogar noch ein­mal einen kom­plet­ten Neu­an­fang wagen: sei es in einem neu­en Job oder einem Ehren­amt, einer neu­en Bezie­hung, an einem neu­en Ort oder gar in einem neu­en Land. Coa­ching, das sich spe­zi­ell an den Bedürf­nis­sen die­ser Ziel­grup­pe ori­en­tiert und die dar­aus resul­tie­ren­den Fra­ge­stel­lun­gen adres­siert, wird in Zukunft sicher einen Markt finden.
  • Trend „Indi­vi­dua­li­sie­rung“: aus den bestehen­den Rol­len­mus­tern und Erwar­tun­gen in Beruf und Gesell­schaft aus­zu­bre­chen, den eige­nen Weg zu fin­den und zu gehen, die eige­ne Lebens­form ablei­ten bis hin zum zeit­wei­li­gen oder dau­er­haf­ten „Kom­plett-Aus­stieg“ ist ein The­ma, das immer aktu­el­ler wer­den wird und wo Ori­en­tie­rungs­hil­fen gebraucht wer­den könn­ten. Die aktu­el­le „Genera­ti­on Y“ ist hier wohl nur die Speer­spit­ze eines brei­ten gesell­schaft­li­chen Bedürfnisses.
  • Trend „Gesund­heit“: The­men wie „Well­ness“, Prä­ven­ti­on, Bewusst­heit, Eigen­ver­ant­wor­tung, also auch „Mind­ness“ und „Self­ness“ boo­men ver­mut­lich noch auf Jah­re hin­aus, so dass auch hier Coachs ein rei­ches Betä­ti­gungs­feld fin­den kön­nen, vor allem in Ver­bin­dung mit Qua­li­fi­ka­tio­nen aus dem medi­zi­ni­schen, sport­li­chen, Ernäh­rungs- oder Entspannungsbereich.
  • Trend „Neue Geschlech­ter­rol­len und neue For­men des Zusam­men­le­bens“: Durch die indi­vi­du­el­ler wer­den­den Lebens­ent­wür­fe auch in die­sem Bereich tun sich neue Schwie­rig­kei­ten auf. Es braucht neue Rol­len­mo­del­le, neue Vor­bil­der und Ori­en­tie­rungs­rah­men. Hier kön­nen Coachs mit ent­spre­chen­der Fach­kennt­nis und bio­gra­fi­scher Nähe wert­vol­le Diens­te anbieten.
  • Trend „Digi­ta­li­sie­rung“: In einer immer stär­ker digi­ta­li­sier­ten Welt wird auch digi­ta­li­sier­tes Coa­ching via Inter­net­ba­sier­ter Platt­form, Chat, Sozia­le Netz­wer­ke (Face­book, You­tube, Twit­ter) oder durch Coa­ching-Apps ohne Zwei­fel wich­ti­ger wer­den, aber auch der Gegen­trend wird kom­men: phy­si­sche Nähe im direk­ten Face-to-Face-Gespräch als Mehr­wert für sozi­al Vereinsamte. 
  • Trend „Wan­del der Arbeits­welt“: The­men wie Work-Life-Balan­ce, die Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf (zuneh­mend nicht nur bei Frau­en!), selbst­be­stimm­te Arbeits­for­men (Home-Office, mobi­le Com­pu­ter­ar­beit), neue For­men von frei­er Mit­ar­beit und krea­ti­ve Exis­tenz­grün­dun­gen las­sen Coa­ching-Bedarf ent­ste­hen. Aber auch die wei­te­re Zunah­me der Zahl psy­chi­scher Erkran­kun­gen durch stän­di­ge Erreich­bar­keit, Über­for­de­rung und Über­las­tung wird Coachs immer häu­fi­ger betref­fen, so dass eine fun­dier­te Fach­kennt­nis in die­sem Bereich unab­ding­bar sein wird und so manch ein Coach den Weg zum Heil­prak­ti­ker für Psy­cho­the­ra­pie gehen wird.

Der nächs­te und zugleich letz­te Teil der Rei­he wird sich des The­mas „Schluss­fol­ge­run­gen für uns Coachs“ anneh­men, d.h. ich wer­de ver­su­chen, eini­ge Emp­feh­lun­gen aus­zu­spre­chen, die bei einer Exis­tenz­grün­dung oder dem Wei­ter­be­trieb eines Coa­ching-Unter­neh­mens in die Über­le­gun­gen ein­be­zo­gen wer­den sollten.

Teil 8: Was heißt das nun alles für uns Coachs?