Buchrezension: Neurodidaktik für Trainer

Hüt­ter, Franz/Lang, Marei­ke San­dra: Neu­ro­di­dak­tik für Trai­ner – Trai­nings­me­tho­den effek­ti­ver gestal­ten nach den neu­es­ten Erkennt­nis­sen der Gehirn­for­schung. Bro­schiert, 320 Sei­ten, Ver­lag mana­ger­Se­mi­na­re, 2017, 49,90 €

Neu­ro­wis­sen­schaf­ten sind „en vogue“, gera­de auch unter Trai­nern, Bera­tern und Coachs. Viel­fach erstreckt sich das „Wis­sen“ zu die­sem The­ma jedoch v.a. auf Halb­wahr­hei­ten und aus dem Zusam­men­hang geris­se­ne Ein­zel­aus­sa­gen.

Daher ist die­ses Buch ein drin­gend not­wen­di­ger und über­aus wert­vol­ler Bei­trag zur Pro­fes­sio­na­li­sie­rung und inso­fern eine Pflicht­lek­tü­re für jeden (ange­hen­den) Trai­ner, Bera­ter oder Coach.

Auf über 300 dicht bedruck­ten Sei­ten zün­den die Autoren ein regel­rech­tes Feu­er­werk von neu­ro­wis­sen­schaft­li­cher Kom­pe­tenz. Zunächst klä­ren Sie fun­diert und umfäng­lich auf über den heu­ti­gen Stand des Wis­sens über die Funk­ti­on unse­res Gehirns und Ner­ven­sys­tems. Direkt im Anschluss wer­den die Top 3 des Neu­ro-Bull­shits kennt­nis­reich wider­legt: Die Legen­de von der Rechts- oder Links­hir­nig­keit, die Idee, wir wür­den nur 10 % unse­res Gehirns nut­zen sowie das Miss­ver­ständ­nis, unse­re Gehirn kön­ne Rea­li­tät und Ima­gi­na­ti­on nicht unter­schei­den. Es fol­gen die 12 Prin­zi­pi­en der Neu­ro­di­dak­tik. Sehr umfang­reich wer­den anschlie­ßend grund­le­gen­de Trai­nings­kon­zep­te, ver­brei­te­te Model­le und nahe­zu alle gän­gi­gen Metho­den des Softs­kill-Trai­nings aus neu­ro­wis­sen­schaft­li­cher Sicht unter die Lupe genom­men und erklärt. Erstaunt wird der Eine oder Ande­re hier zur Kennt­nis neh­men, dass auch vie­le klas­si­sche NLP-Tools dabei durch­aus sehr gut weg kom­men. Last but not Least set­zen sich die Autoren noch mit neu­en Trends wie den The­men Acht­sam­keit, Medi­ta­ti­on, digi­ta­les Ler­nen, Spie­le und Plan­spie­le aus­ein­an­der. Den Abschluss bil­den ein umfang­rei­ches Lite­ra­tur­ver­zeich­nis. Wem all die­se Infor­ma­tio­nen nicht aus­rei­chen, der kann sich zu vie­len The­men ergän­zend noch zusätz­li­ches Mate­ri­al aus dem Inter­net her­un­ter laden.

Trotz aller wis­sen­schaft­lich exak­ten Fach­lich­keit ist das Buch auch für Nicht-Neu­ro­wis­sen­schaft­ler gut ver­ständ­lich geschrie­ben, struk­tu­riert und spar­sam, aber sinn­voll mit Abbil­dun­gen ver­se­hen.

Auch wenn sich das Buch expli­zit an Trai­ner rich­tet, sind die dar­in ent­hal­te­nen Infor­ma­tio­nen zum sehr gro­ßen Teil eben­so wich­tig und not­wen­dig im Coa­ching und in der Bera­tung ein­setz­bar.

Ein­zi­ger Kri­tik­punkt am Buch: Die ohne­hin recht fili­gra­ne Schrift auch noch teil­wei­se in grau auf weiß zu set­zen ist eine wirk­lich über­flüs­si­ge Lese-Erschwer­nis.

chan­ge con­cepts-Fazit: Eine neu­ro­wis­sen­schaft­li­che Schatz­kis­te für jeden Trai­ner, Bera­ter und Coach, der effek­tiv und effi­zi­ent auf dem Wis­sens­stand von heu­te arbei­ten und dabei alte Hüte aus der Mot­ten­kis­te der Päd­ago­gik hin­ter sich las­sen möch­te.