Interviews mit Absolventen, Teil 17: Gabriele Hummelt

Gabriele Hummelt

Lie­be Gabrie­le, nach dei­ner Coa­ching-Aus­bil­dung bei chan­ge con­cepts hast du dich als Coa­chin selb­stän­dig gemacht. Wann war das genau und was bie­test du genau an? Wer ist dei­ne Ziel­grup­pe? Was macht dich als Coa­chin aus?

Einen genau­en Zeit­punkt kann ich nicht benen­nen, es fing schon wäh­rend der Aus­bil­dung an, dass Kun­den zu mir kamen, aber da hat­te ich natür­lich noch kei­ne Aus­rich­tung. Zunächst habe ich jeden gechoacht, der das Inter­es­se hat­te und bei mir ange­fragt hat. Da ich auch schon als frei­be­ruf­li­che Pro­jekt­lei­te­rin selbst­stän­dig war, ist es auch schwierig,einen wirk­li­chen Ter­min der Grün­dung zu nen­nen. Ich habe die Aus­bil­dung ange­fan­gen mit der Aus­sa­ge: Ich möch­te mir ein zwei­tes Stand­bein neben mei­ner Pro­jekt­lei­ter-Tätig­keit auf­bau­en.

Bei Beginn der Aus­bil­dung dach­te ich, ich wür­de in Rich­tung Out­pla­ce­ment gehen. Wäh­rend der Aus­bil­dung schwank­te ich zwi­schen ver­schie­de­nen The­men hin und her. Durch die Viel­fäl­tig­keit der Aus­bil­dung hat­te ich vie­le Anre­gun­gen bekom­men, war zunächst ver­wirrt und dach­te mir: „Oh wie soll ich da eine Posi­tio­nie­rung hin­be­kom­men“? In der Aus­bil­dung haben wir ja mehr als ein­mal gehört, man sol­le sich „spitz“ auf­stel­len, und in die­ser Zeit konn­te ich mir das nicht vor­stel­len, mich nur auf ein The­ma zu kon­zen­trie­ren. Es gab dann zwei Erleb­nis­se in der Aus­bil­dung, die mich zu mei­ner jet­zi­gen Aus­rich­tung gebracht haben. Das ers­te Erleb­nis war ein Tetra­lem­ma und das zwei­te der Posi­tio­nie­rungs­tag am Ende der Aus­bil­dung.

Durch die­se zwei Erleb­nis­se ist mei­ne Posi­tio­nie­rung immer kla­rer gewor­den. Ich habe mich dar­auf spe­zia­li­siert, Pro­jekt­lei­te­rin­nen zu coa­chen, beson­ders in den The­men „wie kom­mu­ni­ziert mei­ne Kli­en­tin mit mei­nem Team (vor Ort oder mit dem vir­tu­el­len Team),“ „wie kann mei­ne Kli­en­tin die Hür­den der Kom­mu­ni­ka­ti­on bes­ser meis­tern“ und „was sind ihre inne­ren Blo­cka­den, die sie bewusst oder unbe­wusst hin­dern bes­ser zu kom­mu­ni­zie­ren.“ Aus mei­ner Rol­le als Pro­jekt­lei­te­rin ken­ne ich einer­seits die Schwie­rig­kei­ten mei­ner Kun­din­nen und als Coach ken­ne ich ander­seits die Metho­den und Fra­ge­tech­ni­ken, um Denk­blo­cka­den oder unter­schwel­li­ge Ängs­te mit der Kun­din zu bear­bei­ten. Pro­jek­te schei­tern in den sel­tens­ten Fäl­len an der Tech­nik, sie schei­tern oft an der bewuss­ten oder unter­be­wuss­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on der betei­lig­ten Per­so­nen und Par­tei­en. Genau dort set­ze ich mit mei­nem Coa­ching für Pro­jekt­lei­te­rin­nen an.

Die Kun­din hat, wenn sie zu mir kommt, einen gewis­sen Druck. Sie merkt, es läuft viel­leicht nicht gut in ihrem Team oder sie wird nicht akzep­tiert. Sie ist viel­leicht auch über­las­tet, weil zu vie­le Auf­ga­ben auf sie ein­pras­seln, sie wird viel­leicht auch nicht wahr­ge­nom­men. Die heu­ti­gen Arbeits­wei­sen wie „vir­tu­el­le Teams“ und „agi­le Metho­den“ erschwe­ren die Arbeit oder die Kom­mu­ni­ka­ti­on mei­ner Kun­din, sie hat kei­ne Lösung, um sich aus die­sem Dilem­ma zu befrei­en oder fühlt sich so unter Druck gesetzt, dass der Lösungs­raum für sie nicht mehr sicht­bar ist.

In die­sem Kon­text sind aus mei­ner Sicht vie­le Coa­ching-The­men ent­hal­ten, z. B. Gren­zen zie­hen, Stress­ab­bau und der Umgang mit Stress; Kon­flikt­lö­sun­gen und Glau­bens­sät­ze. Für all dies benö­tigt mei­ne Kun­din eine kla­re und ein­deu­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on. D. h. wir arbei­ten einer­seits an den The­men, die im Coa­ching hoch­kom­men und ande­rer­seits ist mir dann auch schnell klar gewor­den, dass bei die­sem Ansatz auch ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Trai­ning, spe­zi­ell auf die­se Ziel­grup­pe aus­ge­rich­tet, sinn­voll wäre. An bei­den The­men arbei­te ich zur Zeit.

Wie lief das so mit der Exis­tenz­grün­dung? Was hat dir gehol­fen und wel­chen Her­aus­for­de­run­gen hast du gegen­über gestan­den?

Für mich gibt es drei Her­aus­for­de­run­gen: Posi­tio­nie­rung, eige­ne The­men und Zeit- und Port­fo­li­o­pla­nung.

Wie schon gesagt, die Posi­tio­nie­rung war für mich und auch für mei­ne Mit­strei­ter aus der Aus­bil­dung eines der schwie­rigs­ten The­men. Aus dem Posi­tio­nie­rungs­tag her­aus haben wir in der klei­nen Grup­pe, die wir an die­sem Tag gebil­det hat­ten, wei­ter an unse­rer Posi­tio­nie­rung gear­bei­tet. Das war gut und hilf­reich, da man Pha­sen hat­te, in denen man im eige­nen Saft gear­bei­tet hat und dann auch wie­der das Tref­fen mit den Kol­le­gin­nen hat­te, um das Erar­bei­te­te vor­zu­stel­len und prü­fen zu las­sen – wie einen klei­nen Lack­mus-Test. Wei­ter­hin hat der Aus­stauch auch gezeigt, dass Rom nicht an einem Tag erbaut wur­de – auch bei den Kol­le­gin­nen nicht. Ich fin­de den kol­le­gia­len Aus­tausch sehr wich­tig, die­ser hilft mir mich nicht zu sehr unter Druck zu set­zen und auch immer wie­der mich zu „erden.“

Wich­tig für mich war dein im Abschluss­ge­spräch, dass ich mei­ne „The­men auf­räu­men“ soll­te. Im ers­ten Moment war ich irri­tiert, aber ich habe ange­fan­gen, mei­ne The­men zu bear­bei­ten. Dies hat dann auch mir wie­der gehol­fen, mei­ne Posi­tio­nie­rung zu klä­ren.

Wich­tig für mich ist, dass ich mir einen Zeit- und The­men­plan vor­ge­ge­ben habe, damit ich nicht den Fokus ver­lie­re. Man kann sagen, die Posi­tio­nie­rung war der ers­te Schritt. Nach­dem die­se klar war, ist die Schär­fung des Port­fo­li­os eher ein leich­te­res The­ma. Den­noch ist eine der Schwie­rig­kei­ten, sich die Zeit frei zuschau­feln, um an den The­men zu arbei­ten. Bei Voll­aus­las­tung als Pro­jekt­ma­na­ge­rin ist das zur­zeit mei­ne größ­te Her­aus­for­de­rung. Ich schaf­fe mir freie Blö­cke, die ich dazu nut­ze, Fach­li­te­ra­tur zu lesen oder am Port­fo­lio zu arbei­ten. Wei­ter­hin habe ich mir gezielt für mein Port­fo­lio Wei­ter­bil­dun­gen aus­ge­sucht – die­se Zeit­blö­cke müs­sen einer­seits frei­ge­schau­felt und auch finan­ziert wer­den. Da muss ich nicht nur das Zeit­ma­nage­ment im Griff haben, auch das Finan­zi­el­le muss ver­wal­tet wer­den.

Kannst du heu­te von dei­ner Arbeit im Coa­ching leben? Zu wie viel Pro­zent etwa?

Noch kann ich nicht nur vom Coa­ching leben. Ziel­set­zung ist es aber, mit den bei­den The­men Coa­ching und Trai­ning mei­nen Lebens­un­ter­halt zu bestrei­ten. Zur­zeit wür­de ich sagen, nimmt Coa­ching mit Kun­den und der Auf­bau des Port­fo­li­os ca. 10 bis 15 Pro­zent mei­ner Arbeits­zeit in Anspruch. Wie schon gesagt, ist es aus mei­ner Sicht schwie­rig, nur von Coa­ching zu leben. Ich den­ke, die Mischung Trainer/Coach ist sinn­voll und ich hof­fe, mit den Trai­nings auch wei­te­re Kun­den für das Coa­ching zu akqui­rie­ren.

Alles zusam­men genom­men – wür­dest du den Schritt der Exis­tenz­grün­dung wie­der tun?

Ja auf jeden Fall, ich habe den Frei­raum den ich für mich benö­ti­ge. Ich kann frei ent­schei­den, was für ein Trai­ning ich buche, was für einen Schwer­punkt ich set­ze und bin frei in der Zeit­ein­tei­lung mei­nes Tages.

Natür­lich gibt es auch Ängs­te, dass es alles nicht funk­tio­niert und das doch eine Fest­an­stel­lung „viel siche­rer“ wäre. Aber die Fokus­sie­rung auf mei­ne Selbst­stän­dig­keit als Coach und Pro­jekt­lei­te­rin hilft mir, bewuss­ter Ent­schei­dun­gen zutref­fen!

Ein Vor­teil der Selbst­stän­dig­keit ist, dass – falls das The­ma, wel­ches ich jetzt auf­baue und vor­an­trei­be, mir irgend­wann kei­nen Spaß mehr machen soll­te – ich in Ruhe par­al­lel ein ande­res The­ma auf­bau­en kann oder noch zusätz­li­che The­men auf­neh­me. Die­se Frei­heit hat man aus mei­ner Sicht nicht unbe­dingt bei einer Fest­an­stel­lung, dort ist dann ein Job­wech­sel ange­sagt oder ein inter­ner Wech­sel. Ich kann auch The­men aus­pro­bie­ren und schau­en ob es einen Markt und eine ent­spre­chen­de Nach­fra­ge gibt. Dies ist span­nend und her­aus­for­dernd.

Zum Abschluss: Wel­chen Tipp kannst du ande­ren Men­schen geben, die über eine Selb­stän­dig­keit als Coach nach­den­ken?

Eine Erkennt­nis aus die­sem gan­zen Pro­zess ist, dass alles sei­ne Zeit benö­tigt und das Los­las­sen wich­tig ist. Sprich, nicht zu ver­knif­fen an die Selbst­stän­dig­keit her­an zu gehen kann sehr hilf­reich sein. Direkt nach der Aus­bil­dung hat­te ich das Gefühl es muss jetzt alles ganz schnell gehen und ich will sofort an den Start. Damit habe ich mich selbst sehr unter Druck gesetzt! Erst als ich etwas „zurück­schal­te­te,“ konn­te ich mich mehr auf das The­ma ein­las­sen. Dies hat dann auch gehol­fen, mei­ne Posi­tio­nie­rung in Ite­ra­tio­nen vor­an­zu­trei­ben. Gutes Zeit­ma­nage­ment ist eben­falls ein wich­ti­ger Punkt, damit man sich nicht in den gan­zen The­men ver­zet­telt.