Interviews mit Absolventen, Teil 7: Sonja Lorenz

Son­ja, nach dei­ner Coach-Aus­bil­dung bei chan­ge con­cepts hast du dich als Coach selbst­stän­dig gemacht. Wann war das genau und was bie­test du genau an? Wer ist dei­ne Ziel­grup­pe? Was macht dich als Coach aus?

Ich habe mich im Früh­jahr 2013 als Coach selbst­stän­dig gemacht, zunächst neben­be­ruf­lich. Mitt­ler­wei­le bin ich haupt­be­ruf­lich als Sys­te­mi­scher Coach tätig.

Ich hole mei­ne Kli­en­ten gern dort ab, wo sie sind. Ich hat­te selbst eine Pha­se in mei­nem Leben, in der ich nur wuss­te, es kann so nicht wei­ter­ge­hen. Ich habe die Erfah­rung gemacht, dass eini­ge Ent­schei­dun­gen und Ver­än­de­run­gen Zeit brau­chen – die Not­wen­dig­keit eine Ver­än­de­rung zu akzep­tie­ren und manch­mal noch mehr, sie umzu­set­zen. Bei ande­ren Ent­schei­dun­gen wie­der­um braucht es nicht viel, sie zu tref­fen und zu leben. Sich über Struk­tu­ren und Mög­lich­kei­ten klar zu wer­den, ist oft ein wich­ti­ger Schritt auf dem Weg zum Ziel, und hier kann ein Coach unterstützen.

In der Regel kom­men Pri­vat­kun­den zu mir mit pri­va­ten oder beruf­li­chen Anlie­gen. Ein Schwer­punkt mei­ner Arbeit liegt dabei auf „Balan­ce.“ Das ist für mich mehr als der Mode­be­griff „Work-Life-Balan­ce.“ Arbeit soll­te ein Teil unse­res Lebens sein und das in „guter“ Balan­ce. Die sieht bei jedem Men­schen anders aus, aber bei vie­len gerät dies zuneh­mend aus dem Gleich­ge­wicht. Burn­out-Prä­ven­ti­on oder ‑Ver­ar­bei­tung sind daher auch The­men mei­ner Arbeit. Ins­ge­samt ver­spü­ren vie­le Men­schen den Wunsch, in Balan­ce zu sein bzw. ent­ste­hen Ver­än­de­rungs­wün­sche oft, wenn wir aus unse­rer Balan­ce gera­ten sind.

Ich arbei­te gern mit Auf­stel­lun­gen. Die­se kön­nen hel­fen, Din­ge zu visua­li­sie­ren und neue Lösungs­mög­lich­kei­ten zu fin­den. Vie­le Men­schen haben schon von Auf­stel­lun­gen mit Reprä­sen­tan­ten gehört, oft Fami­li­en­auf­stel­lun­gen. Ich set­ze Auf­stel­lun­gen auch im Ein­zel­coa­ching ein, mit Papp­fi­gu­ren. Dies hat u.a. den Vor­teil, dass auch sen­si­ble The­men ver­trau­lich bear­bei­tet wer­den kön­nen. Und oft­mals gewinnt man neue Erkennt­nis­se, auch wenn man das Pro­blem eigent­lich schon x‑fach im Kopf durch­dacht hat. Auf­stel­lun­gen sind zudem viel­sei­tig nutz­bar, für Fami­li­en­sys­te­me oder auch Orga­ni­sa­tio­nen bzw. Teams. Eben­so kön­nen sie das Tref­fen von Ent­schei­dun­gen unter­stüt­zen oder die Errei­chung von Zie­len bzw. Lösung von Pro­ble­men. Außer­dem nut­ze ich Metho­den wie EMDR, die auf neu­en Erkennt­nis­sen der Hirn­for­schung basie­ren und mit denen bspw. belas­ten­de Situa­tio­nen oder Ängs­te nach­hal­tig und oft in kur­zer Zeit ver­ar­bei­tet wer­den können.

Wich­tig ist mir bei all dem, mei­nen Kun­den und deren Anlie­gen mit hoher Wert­schät­zung zu begeg­nen. Das könn­te ich gar nicht anders. Ich mag es ein­fach, mit ver­schie­de­nen Men­schen zu arbei­ten und glau­be, dass dabei jedes Anlie­gen sei­ne Berech­ti­gung hat. Ein ver­meint­lich glei­ches The­ma kann sich zudem bei ver­schie­de­nen Men­schen ganz unter­schied­lich dar­stel­len, ich gehe daher immer indi­vi­du­ell vor und ohne vor­ge­fer­tig­te Standardlösungen.

Wie lief das so mit der Exis­tenz­grün­dung? Was hat dir gehol­fen und wel­chen Her­aus­for­de­run­gen hast du gegen­über gestanden?

Bevor ich zum Coa­ching kam, habe ich ein Start­up-Unter­neh­men mit auf­ge­baut. Das war ein klas­si­scher Auf- und Aus­bau einer Fir­ma: mit viel Begeis­te­rung, sehr viel Arbeit und zunächst wenig Res­sour­cen und Struk­tu­ren. Die­se Erfah­run­gen möch­te ich nicht mis­sen und sie hel­fen mir natür­lich auch bei mei­ner Selbstständigkeit.

Als für mich fest stand, dass ich mich selbst­stän­dig machen wer­de, habe ich trotz­dem noch ein­mal Grün­dungs­se­mi­na­re besucht und vie­les im Inter­net recher­chiert. Sehr gut und hilf­reich fand ich dabei die Infos und Bera­tungs­an­ge­bo­te vom Amt für Wirt­schafts­för­de­rung in Bonn. Ein Busi­ness­plan gehör­te für mich auch zur Vor­be­rei­tung. Ich habe im Lauf mei­ner vor­he­ri­gen Tätig­kei­ten auch mit Exis­tenz­grün­dern gear­bei­tet und eini­ge Busi­ness­plä­ne gese­hen. Ich wuss­te also, was einen „guten“ Busi­ness­plan aus­macht. Umso span­nen­der fand ich, was es doch für ein Unter­schied ist und wie viel Arbeit es macht, einen eige­nen zu erstel­len und die eige­nen Zah­len schwarz auf weiß aufs Papier zu brin­gen. Ich glau­be, das ist wich­tig, um abzu­schät­zen, ob die eige­nen Pla­nun­gen rea­lis­tisch sind. Und je bes­ser die Vor­be­rei­tung, umso mehr Zeit und Ener­gie kann man ab dem „Go“ ins eigent­li­che Tun und Coa­ching stecken.

Kannst du heu­te von dei­ner Arbeit im Coa­ching leben? Zu wie viel Pro­zent etwa?

Ich bin in der glück­li­chen Lage, dass ich in mei­ner Selbst­stän­dig­keit als Coach tun kann, was ich sehr gern mache, und dass ich davon leben kann. Mei­ne Ein­zel­coa­chings wer­den dabei ergänzt durch Kur­se, Semi­na­re und Work­shops. Neben dem Ein­zel­coa­ching neh­me ich auch Pro­jekt­auf­trä­ge als Hono­rar­kraft an. Aktu­ell coa­che ich dabei arbeits­su­chen­de und arbeits­lo­se Men­schen, zu beruf­li­cher Ori­en­tie­rung, Selbst­prä­sen­ta­ti­on und Ziel­er­rei­chung. Aber auch Life-Balan­ce, Stress­be­wäl­ti­gung und Selbst­wirk­sam­keit sind hier wich­ti­ge Themen.

Alles zusam­men genom­men — wür­dest du den Schritt zur Exis­tenz­grün­dung wie­der tun?

Ein kla­res: Ja!

Zum Abschluss: Wel­chen Tipp kannst du ande­ren Men­schen geben, die über eine Selbst­stän­dig­keit als Coach nachdenken?

Aus mei­ner Sicht ist eine fun­dier­te Aus­bil­dung das A und O, natür­lich neben einer Begeis­te­rung für das, was man tut. Ich glau­be auch, bei­des bemer­ken Kun­den. Wenn es um die Selbst­stän­dig­keit geht, soll­te die­se gut durch­dacht, geplant und auch berech­net sein. Abhän­gig von der per­sön­li­chen Situa­ti­on kann auch eine neben­be­ruf­li­che Selbst­stän­dig­keit als Coach eine gute Vari­an­te sein oder ein sanf­ter Ein­stieg auf dem Weg zu einer spä­te­ren haupt­be­ruf­li­chen Selbstständigkeit.

Lie­be Son­ja, ich dan­ke dir für das Interview!

www.sonja-lorenz-coaching.de