Interviews mit Absolventen, Teil 6: Michael Tomoff

Micha, nach dei­ner Coach-Aus­bil­dung bei chan­ge con­cepts hast du dich als Coach selbst­stän­dig gemacht. Wann war das genau und was bie­test du genau an? Wer ist dei­ne Ziel­grup­pe? Was macht dich als Coach aus?

Die Idee zur Selbst­stän­dig­keit ist tat­säch­lich in mei­ner 10-mona­ti­gen Eltern­zeit gereift und zur Ern­te gekom­men. Das war – nach vie­len Jah­ren des Coa­chings aus dem Ange­stell­ten­ver­hält­nis her­aus – im Mai 2015. Am liebs­ten habe ich ange­hen­de und lang­jäh­ri­ge Füh­rungs­kräf­te, aber auch „nor­ma­le“ Mit­ar­bei­ter vor mir sit­zen, die Spaß dar­an haben, sich zu ent­wi­ckeln, zu wach­sen und noch etwas aus­zu­pro­bie­ren. Also all jene, die etwas ver­än­dern wol­len – an sich und an der Welt gene­rell.

Als Coach macht mich sicher­lich aus, dass ich mit einer gehö­ri­gen Por­ti­on Humor auch an schwie­rigs­te The­men gehe, was dem Pro­zess des Coa­chings eine seriö­se Leich­tig­keit ver­schafft. Kann nie scha­den, sich selbst nicht so ernst zu neh­men, auch wenn natür­lich Respekt und Wert­schät­zung immer auf Platz eins steht. Humor schafft eine frucht­ba­re Atmo­sphä­re und die oft dar­aus ent­ste­hen­den posi­ti­ven Emo­tio­nen wei­ten den Blick, ver­hel­fen zu häu­fig sehr krea­ti­ven Lösun­gen des Coa­chees, schaf­fen Ver­trau­en und Offen­heit und las­sen die Vor­freu­de auf das Coa­ching wach­sen.

Wei­ter­hin bin ich als Diplom-Psy­cho­lo­ge mit einer fun­dier­ten psy­cho­lo­gi­schen Aus­bil­dung beschenkt, die sich mit einer lang­jäh­ri­gen selbst­stän­di­gen Wei­ter­bil­dung im Bereich der Posi­ti­ven Psy­cho­lo­gie abrun­det. Das ist – kurz gesagt – die Wis­sen­schaft vom Wohl­be­fin­den, also die Fra­ge nach dem, was das Leben lebens­wert macht. Und das ist für mich fast schon iro­nisch, denn eigent­lich kommt ja jeder Mensch in ein Coa­ching und möch­te glück­li­cher wer­den. Das heißt dann zwar oft „kon­flikt­stär­ker wer­den,“ „bes­ser füh­ren“ oder „mehr Spaß bei der Arbeit haben,“ aber am Ende füh­ren alle die­sen The­men zu einem glück­li­che­ren Dasein.

Ein wei­te­rer Punkt, der mich aus­macht, ist mei­ne Beschei­den­heit. Des­halb höre ich jetzt auch auf, von mei­nen unzäh­li­gen Talen­ten und Fähig­kei­ten zu schwär­men!

Wie lief das so mit der Exis­tenz­grün­dung? Was hat dir gehol­fen und wel­chen Her­aus­for­de­run­gen hast du gegen­über gestan­den?

Die Grün­dung lief eigent­lich flie­ßend. Gele­gent­li­che Auf­trä­ge wäh­rend der Eltern­zeit, das Kon­tak­t­her­stel­len zu ehe­ma­li­gen Kol­le­gen, zu Bekann­ten und Freun­den und der Auf­bau mei­ner Web­prä­senz waren sicher­lich hel­fen­de Schrit­te. Aber auch mein schon vor­her jah­re­lang gewach­se­ner Blog über Posi­ti­ve Psy­cho­lo­gie und (Selbst-)Coaching hat bestimmt dazu bei­getra­gen, dass sich jet­zi­ge Kun­den schon ein gutes Bild von mir machen konn­ten, hilf­rei­che Tipps auch ohne einen Euro bekom­men konn­ten und wuss­ten, ob ich zu ihnen pas­sen wür­de oder nicht.

Her­aus­for­de­run­gen waren auf der ande­ren Sei­te die Angst vor der eige­nen Cou­ra­ge, die Unge­wiss­heit bezüg­lich der Zukunft als Frei­be­ruf­ler und auch die stän­di­ge Annah­me, noch nicht genug zu wis­sen, noch nicht pro­fes­sio­nell genug auf­ge­stellt zu sein und min­des­tens noch eine Wei­ter­bil­dung besu­chen zu müs­sen, damit ich mich auf den frei­en und hart umkämpf­ten Markt wer­fen kann.

Aber nach­dem du dem drit­ten Coa­chee mit den sel­ben The­men ein paar schlaue Ideen und Lösun­gen ent­lockt hast und selbst auch noch wel­che bei­gesteu­ert hast (ja ich weiß, böser Coach, Rat-Schlä­ge und so) – also spä­tes­tens nach dem drit­ten Coa­ching über sol­che The­men war ich dann auch soweit, um mir mal zu ver­trau­en und das gar nicht so wahn­sin­nig gro­ße Risi­ko ein­zu­ge­hen.

Kannst du heu­te von dei­ner Arbeit im Coa­ching leben? Zu wie viel Pro­zent etwa?

Gute Fra­ge. Ich glau­be, da geht noch viel mehr, was die Anzahl der Coa­chings betrifft. Ich wür­de sagen, Coa­ching ist momen­tan noch ein klei­ner Teil des Port­fo­li­os. Mit Sicher­heit auch, weil momen­tan kaum Akqui­se in die­sen Bereich fließt. Der Löwen­an­teil mei­nes Ver­diens­tes kommt aus Vor­trä­gen und Trai­nings über und zur Posi­ti­ven Psy­cho­lo­gie. Coa­chees mel­den sich häu­fig eigen­in­itia­tiv nach Trai­nings oder weil sie aktu­el­le Kun­den von mir ken­nen und ich wei­ter­emp­foh­len wur­de. Das ist natür­lich die schöns­te Art von Akqui­se! Aber das wür­de bei mir momen­tan noch nicht ganz aus­rei­chen, um von Coa­ching allei­ne zu leben. Ich bin mir aber auch gar nicht sicher, ob ich das wirk­lich auf ein Gebiet beschrän­ken wol­len wür­de. Dafür gibt es ein­fach zu vie­le inter­es­san­te The­men!

Alles zusam­men genom­men – wür­dest du den Schritt der Exis­tenz­grün­dung wie­der tun?

Auf jeden Fall! Ich weiß nicht, ob ich ein­fach Glück hat­te, aber für mich ist die Frei­heit, kei­ner Agen­da fol­gen zu müs­sen und mei­nen Inter­es­sen und eige­nen Stär­ken nach­zu­ge­hen, ein gro­ßer Luxus, der auch die eine oder ande­re Unsi­cher­heit bei wei­tem auf­wiegt und unwich­tig macht. Ich würd’s auf jeden Fall wie­der machen!

Zum Abschluss: Wel­chen Tipp kannst du ande­ren Men­schen geben, die über eine Selbst­stän­dig­keit als Coach nach­den­ken?

Frag dich, ob du lei­den­schaft­li­ches Inter­es­se dar­an hast, dich und ande­re wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, beim Wach­sen zu hel­fen und zuzu­schau­en. Wenn das mit einem Ja beant­wor­tet wer­den kann, geht so viel, über das man sich vor­her so lan­ge den Kopf zer­bro­chen hat, viel ein­fa­cher. Ach ja – und setz dei­ne Stär­ken ein – das macht nicht nur viel mehr Spaß als das Aus­bü­geln von Schwä­chen, son­dern macht auch noch glück­lich …

Lie­ber Micha, ich dan­ke dir für das Gespräch!

www.tomoff.de